Als Kinder machten wir uns über dieses „seltsame“ strauchartige Gewächs auf Omas Fensterbrett lustig: „Da wachsen ja Krokodile im Topf!“ Diese Sorte Aloe, Aloe arborescens, gab es in Russland fast in jedem Haushalt. Ob bei einer Schürf- oder Brandwunde, Erkältung oder Entzündung jeglicher Art – schnell schnitten Omas und Mütter ein Aloe-Blatt ab und auf …

So kamen sie an die eigentliche Heilsubstanz: das gelartige, schleimige Pflanzenfleisch, das sich hinter der dicken grünen Lederhaut versteckt. Nun, Jahre später, entdeckte ich die „Krokodil-Schwänze“ in einem Biomarkt – und konnte der Versuchung nicht widerstehen, ein schönes, knackiges Blatt-Exemplar zu kaufen. Dabei handelte es sich um Aloe Vera, eine Sorte, die hierzulande verbreitet und beliebt ist, unter anderem als Bestandteil der Naturkosmetik.

Prompt waren die Erinnerungen an die Kindheit – und die zahlreichen „Einsatzgebiete“ der Wunderpflanze auf meiner Haut – wach: aufgeschürfte Ellbogen und Knie, sonnenverbrannte Schulter, unbeliebte Pickel … Im nächsten Augenblick spürte ich in meiner Phantasie die kühlende, wohltuende Feuchtigkeit von Aloe auf meiner Haut – und machte mich anschließend auf die Suche nach Rezepten für die selbstgemachte Aloe Vera-Kosmetik.

In der Hausbibliothek meiner Mutter entdeckte ich ein aus den Sowjetunion-Zeiten meiner Heimat stammendes „Rezeptbuch für Naturkosmetik aus eigener Herstellung“: Der faszinierenden Aloe-Pflanze war sogar ein ganzes Kapitel gewidmet.

Aloe Vera: Wirkung und Inhaltsstoffe

In der Kosmetik wird das Aloe Vera-Gel häufig genutzt. Die Liste seiner Eigenschaften ist beeindruckend – und in zahlreichen Studien nachgewiesen:

  • juckreizlindernd, kühlend & entzündungshemmend
  • feuchtigkeitsspendend und -bindend
  • antioxidativ, zellerneuernd
  • Collagenproduktion anregend
  • hautberuhigend und, da sehr verträglich, ideal auch für trockene, gereizte und sensible Haut
  • wohltuend und heilend bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Dermatitis, Akne, Couperose und bei Sonnenbrand

Ihre heilende Kraft verdankt die Wüstenlilie den mehr als 200 wertvollen Inhaltsstoffen, die in ihrer ganzheitlichen Kombination ihre einzigartige Wirkung entfalten: für die Haut und den ganzen Organismus.  Aloe Vera, als eine kleine Schatzkammer mit großem Wirkstoffkomplex, ist reich an:  

  • Vitaminen
  • Mineralien
  • Aminosäuren
  • Enzymen
  • diversen sekundären Pflanzenstoffen
  • sowie Mono- und Polysacchariden

All diese kostbaren Inhaltsstoffe vereinend, liefert sie unserem Organismus eine geballte Ladung an lebenswichtigen Substanzen.

Aloe Vera-Kosmetik: eine Wohltat für die Haut

Rezepte für Aloe Vera-Kosmetik zum Nachmachen
Aloe Vera-Kosmetik aus eigener Herstellung: schnell gemacht, Großes vollbracht!

Aber: Mir geht es hier in erster Linie um Aloe Vera in der Hautpflege. Und da sind Begriffe wie „Anti Aging“ und „Feuchtigkeit“ wichtig und die Wirkungsweisen „antioxidativ“ und „Collagenproduktion anregend“ entscheidend.

Meine „sowjetische Naturkosmetik-Enzyklopädie“ verrät, wie ich die Zauberpflanze noch etwas wirksamer mache. „Biostimulieren“ ist der nächste Schritt. Dafür lege ich das Aloe Vera-Blatt in das untere Fach des Kühlschranks – für ca. zwei Wochen. In dieser kühlen, dunklen Umgebung fängt die Pflanze an, Biostimulatoren zu produzieren, die die Zellerneuerung der Haut unterstützen und anregen.

Das Gel, das ich anschließend aus meinem „biostimulierten“ Blatt gewinne, ist besonders wertvoll für die Aloe Vera-Kosmetik. So schneide ich es längst auf, löse das glitschige Fleisch heraus und zerkleinere es mit einem Stabmixer zur gleichmäßigen Substanz. Diese kann ich ebenfalls bis zu einer Woche im Kühlschrank aufbewahren – und so Abend für Abend das „Zaubermittel“ in meine alltägliche Hautpflege einfügen.

Tipp: Sinn macht‘s, aus meiner Sicht, nicht sofort das ganze Blatt zu Gel zu verarbeiten, sondern vorerst nur ein Drittel oder die Hälfte. Das verlängert die Haltbarkeit und ihr könnt das Gel immer frisch herstellen.

Naturkosmetik-Rezepte mit Aloe Vera zum Nachmachen

Es muss nicht immer gleich eine Maske oder eine aufwändige Creme sein: Abends verrühre ich einfach einen Teelöffel Aloe Vera-Gel mit ein paar Tropfen Gesichtsöl und trage es auf meine gereinigte Haut auf. Morgens, wenn es schnell gehen soll, schneide ich vom Blatt ein kleines Stückchen ab und wische mit der Gel-artigen Innenseite über mein Gesicht und verliebe mich immer mehr in meine selbstgemachte Aloe Vera-Kosmetik! Denn mein Hautbild wirkt sofort frischer, gleichmäßiger und reiner. Sogar mein Mann ist, nach einiger Überredungskunst, nicht abgeneigt, den wohltuenden Zauber der Wüstenlilie zu testen. Kein Problem – das dicke Blatt ist ergiebig, es ist genug „Rohstoff“ für die ganze Familie da :-). 

Ebenso die schnell angerührten Aloe Vera-Gesichtsmasken finde ich angenehm erfrischend und nährend. Ich folge immer noch dem Rat meiner Kosmetikerin, mich bei einer Gesichtsmaske auszuruhen, am besten gemütlich und warm liegend. Denn das erhöht den Erholungseffekt: auf die Haut, wie auf die Seele. Hier sind meine schnellen Lieblingsrezepte für die selbstgemachte Aloe Vera-Gesichtspflege – ich verwende dabei nur Bio-Produkte, um mögliche Hautirritationen zu vermeiden.

Aloe Vera-Gesichtsmaske mit Ei und Schmand: für einen strahlenden Teint

Zutaten

  • 1 Teelöffel Eigelb
  • 1 Teelöffel Aloe Vera-Gel
  • 1 Esslöffel Schmand (fetter Sauerrahm)

Zubereitung und Anwendung:

Alle Zutaten zu einer cremigen Konsistenz verrühren, auf Gesicht, Hals und Dekolleté auftragen. Wenn die erste Schicht antrocknet, die zweite und dritte auftragen, bis sich das Gefühl einstellt, dass die Haut nichts mehr aufnimmt. 20-30 Minuten einwirken lassen. Anschließend die Maske mit lauwarmem Wasser Wattepad, abnehmen. Im letzten Schritt das Gesicht mit kaltem Wasser abspülen. Das verleiht dem Teint noch mehr Frische und strafft die Haut zusätzlich.

Diese erfrischend-nährende Aloe Vera-Pflegemaske ist für jeden Hauttyp geeignet!

Anti-Aging Aloe Vera- & Eiweiß-Maske: für mehr Hautspannkraft und -elastizität

Zutaten:

  • 1-2 Teelöffel fette Gesichtscreme, z.B. deine Nachtcreme
  • 1 Teelöffel Aloe Vera-Gel
  • 1-2 Teelöffel Pflanzenöl
  • 1 Eiweiß
  • ¼ Teelöffel Salz, fein

Für den Aufguss:

  • 2 Teelöffel Salbeiblätter, kleingeschnitten
  • 2 Gläser kochendes Wasser

Zubereitung und Anwendung:

Gesichtscreme, Aloe Vera-Gel und Pflanzenöl zu einer homogenen Masse verrühren. In einer extra Schüssel das Eiweiß mit dem Salz verreiben. Den Salbei-Aufguss zubereiten: Dafür zerkleinerte Salbei-Blätter mit kochendem Wasser aufgießen und ziehen lassen, bis er erkaltet.

Die Gesichtshaut mit einer warmen Kompresse (dazu nehme ich ein kleines Handtuch, tauche es in heißes Wasser ein und lege es für ein paar Minuten aufs Gesicht) aufwärmen, damit sich die Poren öffnen.

Nun die Aloe Vera-Maske auftragen, leicht einmassieren. Für 10-15 Minuten einwirken lassen und anschließend mit einem Wattepad abnehmen. Gleich die Eiweiß-Maske auftragen und weitere 10 Minuten einwirken lassen. Mit einem Wattepad, im Salbei-Aufguss angefeuchtet, gründlich abnehmen. Abschließend das Gesicht mit dem Salbei-Aufguss abspülen.

Diese Aloe Vera-Kosmetik ist vor allem bei trockener, „durstiger“ Haut besonders wohltuend und feuchtigkeitsspendend!

Aloe Vera-Maske mit Honig: für ein frisches, straffes Hautgefühl

Zutaten:

  • 1 Teelöffel Aloe-Gel
  • 2 Teelöffel aufgewärmten, flüssigen Honig

Zubereitung und Anwendung:

Zutaten gründlich vermischen, auf die gereinigte Haut auftragen und für 10-15 Minuten einwirken lassen. Mit lauwarmem Wasser abspülen und mit einem Kosmetiktuch abtupfen.

Diese schnelle Maske sorgt für ein aufgeklärtes, frisches Hautbild und beugt Fältchen vor!

Aloe Vera-Maske mit Minze und Gurke: für einen Frische-kick und ein feines Hautbild

Zutaten:

  • 1-2 Esslöffel Aloe Vera-Gel
  • ½ Landgurke
  • 1 Esslöffel Quark oder Sauerrahm
  • einige Blätter frischer Minze

Zubereitung und Anwendung:

Gurke waschen und ggf. schälen (ich nehme gerne Landgurken, da sie eine feinere Haut und weniger Samen haben, die alle mit verwenden werden können), Minze abspülen, beides im Mixer feinpürieren und mit dem Aloe Vera-Gel und dem Quark verrühren. Die Masse auf Gesicht und Hals auftragen, 20 Minuten einwirken lassen. Mit Kosmetiktüchern abnehmen und mit lauwarmem Wasser nachspülen.

Diese Maske hat eine geballte Power: Gurke enthält Enzyme, die die Hauterneuerung anregen, Aloe-Gel bindet Feuchtigkeit und Minze reinigt und desinfiziert, wobei Quark kühlt und die Poren verfeinert.

Aloe Vera-Maske: gegen Rötungen und Hautirritationen

Zutaten:

  • 2 Esslöffel Aloe Vera-Gel
  • 1 Teelöffel Trockenhefe
  • 2 Teelöffel flüssigen Honig

Alle Zutaten vermengen, bis eine gleichmäßig cremige Masse entsteht. Auf die gereinigte Haut auftragen, dabei die errötetet Stellen besonders großzügig behandeln. 10-15 Minuten einwirken lassen und mit einem weichen, mit lauwarmem Kamillen-Aufguss getränkten Tuch abnehmen.

Diese Aloe Vera-Maske schenkt irritierter, zu Rötungen neigender Haut Entspannung und Beruhigung. Die Trockenhefe verstärkt dabei den Säureschutzmantel der Haut!

Aloe Vera-Kosmetik wirkt antioxidativ, erfrischend und beruhigend auf die Haut
Aloe Vera-Kosmetik spendet und bindet Feuchtigkeit und erfrischt, beruhigt und verjüngt die Haut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.