Eine Reiseinspiration

Traumreisen sind in Zeiten von Corona die einzige Chance, sich in fremde Gefilde zu „begeben“. Vor Kurzem kam mir mein Ausflug ins Kufsteinerland wieder in den Sinn, der mir im Nachhinein wie eine wahre Phantasiereise vorkommt. Auf den Spuren einer mystischen schwarzen Katze wandelte ich durch historische Epochen und märchenhafte Kraftorte.

Traumreisen: Träumen ist erlaubt!

Heute liege ich am weißen Sandstrand unter Palmen, morgen steige ich auf den Berg bis zu den Sternen hinauf … Traumreisen kann uns niemand verbieten. Und das ist auch gut so: Phantasiereisen spenden nämlich Kraft, stimmen uns positiv und wirken entspannend. Denn wenn die Grenzen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein verschwimmen, kommen Gedankenwellen zur Ruhe  – und Körper, Geist und Seele verschmelzen irgendwo im Universum zu einem einheitlichen ICH.

Also träumt euch in entfernte Galaxien, fremde Länder und märchenhafte Landschaften und lasst eure Seelen reisen. Und wenn bessere Zeiten wiederkommen, besucht das vielfältige Kufsteinerland – hier eine Reiseinspiration dazu.  

Zwischen Traum und Realität: Ein phantasiereiches Wochenende im Kufsteinerland

An einem sonnigen Juni-Wochenende habe ich im kleinen, aber feinen Hotel Träumerei #8 in Kufstein geschlafen. Und wohl ungewöhnlich intensiv geträumt. Mal bizarr, mal verwunschen, dann wieder real: Das Erlebte war so abwechslungsreich, wie es nur in einer Traumreise möglich ist. Als wäre ich mit einer Zeitmaschine durch Länder, Epochen und Naturwelten gereist. Das gemütliche Kufsteinerland zeigte sich dabei von seiner märchenhaften Seite.

Meine Kufsteiner Träumerei begann mit der Bekanntschaft einer schwarzen Katze … 

Auf den Spuren einer schwarzen Katze

Ein Katzensprung von München – und schon finde ich mich an einem Ort wieder, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint: im altertümlichen Kufstein mit seiner frühmittelalterlichen Burg als Wahrzeichen. Der Weg zu unserem Zimmer im Boutique Hotel Träumerei #8 führt über das Traditionsrestaurant Auracher Löchl: Das 600 Jahre alte Gewölbe mit viel altem Holz, engen Gängen, Weinflaschen aus allen Epochen, rustikalen Möbeln ist einladend-gemütlich. Auf einem großen Weinfass in einer dunklen Ecke liegt herrschaftlich eine schwarze Katze

„Sie wehrte Jahrhunderte lang Weindiebe ab“, lüftet die junge Empfangsdame das Geheimnis um die schwarze Katze vom Auracher Löchl. „So ist sie bis heute die Schutzpatronin unseres Hauses.“

Ich folge meinem Hunger an einen Tisch mit Ausblick in die historische Römerhofgasse, „begleitet“ von der legendären schwarzen Gastgeberin: Sie starrt mich skeptisch aus fast jedem Winkel an, sogar vom Weinglas. Draußen geht es lebhaft zu. Jäger in Tracht torkeln, leicht angetrunken, zwischen den Touristen; ein paar ältere Tiroler sitzen entspannt auf den Bänken und beobachten den Trubel in der verschnörkelten Straße; rechts und links sind prall mit Menschen und Souvenirs gefüllte Shops, einladende kleine Bars und Restaurants.

„Haben Sie einen Herzenswunsch, meine Dame?“, fragt mich eine freundliche Männerstimme. Martin hält Augen und Ohren für seine Gäste immer offen, hier im Genusshof. „Oh ja, ich habe sogar mehrere!“ Ein Mix aus Tiroler Tapas, ein feiner Riesling – und ich bin bereit für die erste Station meiner Traumreisen durch das Kufsteinerland.

Ein frühlingshafter Luftzug nimmt mich mit und bringt mich von Kufstein weg …

Das Träumerei-Zimmer „Schweiz“

Auf einmal stehe ich mitten in der Schweiz. Alte Wanderschuhe in der Ecke, ein vollgepackter Wanderrucksack am Hacken mit einer Tafel Toblerone oben drauf; Petroleum-Lampe, Kletterseil, Kuhfell, sogar alte Holz-Skier – alles ist da für einen Ausflug durch das Land der spitzen Gipfel! Wie kam ich denn bitte so schnell vom Tiroler Kufstein in die Schweiz? Ich schüttele kurz den Kopf, in der Hoffnung, dass sich mein Tagtraum auflöst …

Im nächsten Augenblick befinde ich mich am Ufer des vorbeirauschenden Inns. Genauer gesagt schwebe ich darüber. Der Ausblick auf das schnelle grüne Wasser holt mich wieder ins Kufsteinerland zurück: Ich bin ja auf dem Balkon meines Hotel-Zimmers, das die Schweiz als Thema hat. Auch weitere 33 Zimmer schicken ihre Gäste auf eine Traumreise durch viele Länder der Welt: Wo soll es bitte hingehen? Moskau oder Paris? Kenia oder Marokko?

Das rasende Wasser des Inns macht Lust aufs Baden. Da es mir draußen dafür gerade zu frisch ist, lasse ich lieber meine freistehende Badewanne ein. Von hier aus genieße ich den Blick auf den Fluss und den Berg! Das schäumende Badeöl bildet eine große, weiche Haube. Vorsichtig gleite ich darunter: Nur nicht aufwachen, denn die Träumerei von der Schweiz mitten in Kufstein ist einfach zu schön …

Traumreise zum Kraftort „Blaue Quelle“ in Erl

Als ich meine Augen wieder aufmache, strahlt mir das Türkis entgegen – und mein fließender Traum geht draußen, in der freien Natur, weiter. Nun stehe ich in einer Wiesen-Senke, an einem glasklaren Teich, der von der Blauen Quelle mit dem reinsten Trinkwasser gespeist wird. Alte Bäume beugen sich schützend darüber. Ihr sattes Grün lässt die Quelle türkis strahlen. Die Stille an diesem wahren Kraftort unterbricht einzig und allein die leise Plätschermelodie des Wassers.

Eine verwunschene Ruheoase im hübschen Dorf Erl in Tirol, nur 13 km vom lebhaften Kufstein entfernt, lädt mich mit frischer Energie auf. Ich bin dankbar, dass die Zeit in einer Traumreise nicht existiert, lasse mich auf einer Holzliege nieder und genieße jede Sekunde an diesem paradiesischen Kraftort sowie die Magie des Augenblicks.

„Baden kannst du hier zwar nicht. Aber du kannst das erfrischende, weiche, rechtsdrehende Wasser der Blauen Quelle auf der anderen Straßenseite genießen!“, höre ich plötzlich eine zarte Frauenstimme erklingen. „Ich bin Maria, die Kräuterhexe vom Kufsteinerland.“

Auf einer Natur-Tour mit der Kräuterhexe Maria

Ich verspüre keine Angst vor der blond-gelockten Kräuterhexe. Maria trägt eine grüne Jacke, ganz im Einklang mit ihrer zauberhaften Beschäftigung als Kräuterwanderführerin und Naturpädagogin. In ihrer Hand – ein Wiesenkräuter-Strauß. Sie sei öfter mal am Kraftort „Blaue Quelle“, um Ihre Batterien aufzuladen. Das kleine Biotop befinde sich zum Glück in privater Hand: Die Besitzer des gleichnamigen Gasthofs hegen und pflegen den Kraftplatz wie eine wahre Perle von Erl.

Noch eine Weile durchatmen und in das tiefe Wasserblau hineinschauen. Ein Sonnenstrahl reißt die Schäfchen-Wolken über uns auf und schickt mich auf die nächste Station meiner Traumreise

Ich liege auf einer duftenden Waldwiese. Gräser neigen sich über mich, schwer vom Tau und den reifenden Samen. Kräuterhexe zu sein wäre auch etwas für mich: Bereits seit meiner Kindheit kenne ich mich mit einigen Heilpflanzen aus und bin neugierig, noch mehr zu erfahren. „Der hübsche Frauenmantel heißt nicht umsonst so – auch seine runde, umhüllende Form deutet auf seine Wirkung hin“, zeigt mir Maria ein samtweiches Blatt mit einem hübschen „Rüschen“-Rand. „Es ist DIE Frauenpflanze schlecht hin und hilft bei Frauenleiden jeglicher Art.“ Das zarte Pflänzchen namens Labkraut sei auch einer ihrer Lieblinge. Es hält alles im Organismus im Fluss: reinigt die Lymphe, bringt sie in Gang und löst Blockaden auf.

Den Kräuterhexe-Geschichten von Maria kann ich wie einem Wasserfall ewig zuhören. Bezaubert folge ich ihr auf schmalen Naturpfaden und finde mich in der nächsten Minute an einem Wasserfall wieder, dessen dröhnende „Stimme“ mich nun aus meinem Schlummer reißt …

Kraftort Trockenbach-Wasserfall in Erl

Der Trockenbach-Wasserfall sei ihr nächster persönlicher Kraftort. Als Kind sei sie oft in seiner Nähe gewesen, um die heilende Luft und die Kraft des fallenden Wassers in sich aufzunehmen. Die Kräuterhexe verabschiedet sich und lässt mich die besondere Energie des Ortes alleine erleben.  

Der mächtige Wasserstrom prallt ungebremst den Felsen herunter. Sein seiden-feiner Sprühnebel macht meinen Kopf vorerst klarer. Je länger ich in diesem grün-tosenden Paradies stehe, desto stärker betört dieser magische Kraftort meine Sinne. Zu mir komme ich erst an einem weiteren mystischen Ort wieder …

Traumreise ins altertümliche Kufsteinerland: Auf der Festung Kufstein

Mittelalter. Eine majestätische Festung, die stolz über der kleinen Stadt thront und über sie Wache hält. Kanonenschüsse. Gefängniszellen. Ein tiefer Brunnen und ein feuchter, dunkler geheimer Gang unter der Mauer. Auf einem Platz tanzen rote Flammen in den Himmel hinauf: Eine rothaarige Hexe wird gerade verbrannt. Diese hat sich ähnlich wie Maria der Kraft der Natur bedient – und ihren Tod eigentlich gar nicht verdient …

Dieses aufwühlende Trugbild unterbricht zu meiner Freude eine wohlklingende Orgelmelodie, die um Punkt 12:00 Uhr über der Festung ertönt. Meine Augen lasse ich noch eine Weile zu, um die beruhigenden Musikschwingungen zu genießen. Sie bringen mich wieder in das Hier und Jetzt zurück. An diesem trächtigen Geschichtsort haben Epochen ihre tiefen Spuren hinterlassen. Doch nun herrscht hier Friede …  

Ich verirre mich in den engen Gassen des frühmittelalterlichen Gemäuers; schlendere durch die massiven Türme, die mal als Gefängnis, mal als Festsaal dienten – bis ich auf einer erhobenen Ebene einen weitläufigen Heilkräutergarten entdecke. Hier, auf einer gepflegten Wiese liegend, nehme ich die besondere Atmosphäre in mich auf und schwelge in meiner Traumreise. Bis ein „Miau“ mich wieder wachmacht: Eine grau-gestreifte Burgkatze aalt sich neben mir in der Sonne, schleicht sich dann sanft zur Festungsmauer hin und hüpft darauf, ganz ohne Schwindelgefühle. Ich folge der Katze und lehne mich über die Mauer – da unten, zu Füßen der Festung, liegt zu meiner Überraschung das mir bekannte Hotel Träumerei #8! Dann wird es kurz dunkel um mich herum …

Stollen 1930

Eine gedämmte Lichtquelle bahnt sich den Weg durch meine Augenlieder. Ich erkenne felsige Wände, in denen sich brennende Kerzen verstecken. Die Luft fühlt sich feucht und kühl an. Eine leise Swing-Melodie bringt meine Sinne langsam wieder in den Schwung: Ich bin nun im Jahr 1930 angekommen und befinde mich im alten Stollen von Kufstein!

Keine Bergarbeiter in Sicht? Stattdessen schmücken Batterien aus Gin-Flaschen die Felsenwände. Kristall-Kronleuchter flimmern auf und offenbaren den Weg zur Bar-Theke. Diese ragt in der Mitte des gespenstigen Stollens empor, mit bequemen Leder-Barhocker umrandet. Ich atme tief durch: Meine Traumreise brachte mich wohl in die Römerhofgasse zurück. Hier wartet das Kufsteinerland mit dem für mich letzten Abenteuer auf: der weltberühmten Gin-Bar „Stollen 1930“. Ihre Gin-Kollektion mit über 900 Gin-Sorten bescherte ihr bereits den Eintrag in das Guinness Buch. Nun verlockt sie Touristen aus aller Welt mit dem einzigartigen Gin-Tasting.

Ich verkoste den „Frauen-Gin“, genannt Slow Gin: lieblich und likörartig. Wundere mich, als im nächsten Gin-Tonic-Mix ein paar Erdbeeren landen – und im darauffolgenden die spiralförmige Zitronenzeste und einige Rosapfefferkörner. Ein feiner Snack zwischendurch sorgt für ein „schwindelfreies“ Gin-Erlebnis. Nach einiger Zeit spüre ich einen fremden Blick in meinem Nacken und drehe mich um: Die schwarze Katze ist da, um mich sicher durch eine „geheime“ Verbindungsbrücke in das nur einen Katzensprung entfernte Hotel Träumerei und zurück in die Schweiz zu bringen …

Am Sonntagmorgen beendet der grelle Ruf des Weckers meine Traumreise durch das Kufsteinerland. Sie wird von einem ausgedehnten Langschläfer-Frühstück auf der sonnigen Terrasse direkt am Inn-Ufer gekrönt. Ich lasse die mannigfaltigen Erlebnisse Revue passieren: Habe ich sie vielleicht geträumt? Die frische Brise und der flinke, grün leuchtende Fluss holen mich final in die Realität zurück: Leider ist es Zeit, aus der Träumerei vom Kufsteinerland „auszuchecken“.