Wie uns Yoga heilt und warum jeder Meditation lernen kann: ein Interview

Mit Yoga und Meditation zur inneren Ruhe finden: Wie das geht, weiß Michael Zirnstein. Der buddhistisch-ausgeglichene Yoga-Lehrer und Acro Yoga Festival-Gründer erzählt im Interview, wie jeder Meditation lernen und Yoga verstehen kann: auf seiner Reise zu sich selbst.

Achtsamkeitsmeditation

Meine Augen sind geschlossen. Jedoch sehe ich alles: Wo, wer und was ich bin. Denn ich bin auf  das Hier und Jetzt konzentriert. Meine Hände ruhen in meinem Schoss – das ist die „Ruhe vor dem Sturm“: In der nächsten Minute spüre und sehe ich kleine Flammen, die sich meinen Fingern entreißen und zu kleinen Feuerstellen werden. Meine Hände verwandeln sich in quirlige Fackeln, die zwei zarte Flammen am Leben erhalten: Atme ich ein, streben die Feuerzungen in die Höhe. Die Glut in meiner Brust, um das Herz herum, bekommt Kraft und leuchtet rot auf, speit Funken, die mich von innen wärmen. Atme ich aus, ziehen sich die roten Zungen in meine Handflächen zurück. Die Glut meines Herzens  wird schwächer und dunkler. Ruhiger. Ich spüre in diese Ruhe hinein. Schließe meinen Frieden mit der Atempause. Und finde innere Ruhe – tief in meinem Herzen.

Bevor die Glut zu erlöschen droht, atme ich wieder ein und gebe den Flammen einen neuen Impuls, wecke sie auf, lasse sie in meinen Händen tanzen …


Dieser Feuer-und-Glut-Tanz setzt sich fort. Bis Michael Zirnstein – unser Yoga-Lehrer und mein Vorbild für innere Ruhe und Gelassenheit – diese geführte Meditation zu Anfang unserer Yoga-Stunde beendet.

Ich bin neugierig. Neugierig auf andere Menschen. Darauf, was ich von ihnen lernen kann. In einem sehr persönlichen Interview über Spiritualität verriet er mir bereits viel über seine Reise zu sich selbst. Heute bitte ich Michael zu einem Gespräch – um mehr darüber zu erfahren, wie:

  • ich innere Ruhe finden und halten,
  • Meditation lernen,
  • Yoga-Wirkung verstehen und
  • Acro Yoga kennenlernen kann.

Aber vor allem diese innere Balance, die Michael zu haben scheint, möchte ich ergründen und hinterfragen.

Wie wir mit Yoga und Meditation innere Ruhe finden

Michael, du wirkst gelassen und in dir ruhend – was hilft dir, innere Ruhe zu finden?

Das ist ein Trugbild. Ich habe viel Unruhe in mir. Und Yoga mache ich, um mal entspannt zu werden und innere Ruhe zu finden. Dabei macht mich Yoga darauf aufmerksam, dass ich meine aufgewühlten Momente überhaupt habe – es ist also ein Werkzeug, mit dem ich meine Wahrnehmung sensibilisiere. So merke ich schneller, wie es um meine Gefühlswelt bestellt ist.

Was ist Yoga für dich?

Yoga ist so vieles und doch eins: Es ist Bewegung sowie Verbindung mit dem Atmen und der Körperlichkeit. Aber auch die Meditation gehört dazu: Asanas mache ich unter anderem, um mich auf die Meditation vorzubereiten und meinen Atem fließen zu lassen. So komme ich in eine monotone Bewegung, bei der mein Kopf abschaltet.

Yoga verhilft mir zum meditativen Zustand – also ist Yoga das zur-Ruhe-Kommen der Gedankenwellen.

Was bewirkt Yoga?

Mit Yoga wirst du sehr feinfühlig für deine Gefühlsregungen: Dinge, die vorher kleine Wellen waren, nimmst du als Orkane wahr. Da kommt auch die Meditation ins Spiel: Der Moment, in dem dein Körper ruhiger wird, hörst du die Geräusche in dir viel deutlicher. Und spürst die Wellen in dir.

Diese Gedankenwellen zu beruhigen – das ist das Ziel. Versuch dich von den Gedanken nicht steuern zu lassen. Beobachte sie, schau dir beim Denken zu und entscheide dann, ob es ein guter Gedanke ist oder nicht. Dabei erfährst du durch Yoga, dass du mit allem verbunden bist. Gehst du sanft mit dir selbst um, bist du auch sanft zu deiner Umwelt. Und umgekehrt. Denn wir sind eins – wir sind ein Teil vom Kosmos

Wofür stehen Asanas, die Yoga-Stellungen, und was bewirken sie in unseren Körper, Geist und Seele?

Asanas – also Körperhaltungen – sind der energetische Schlüssel für das kosmische Schloss: Wenn du eine bestimmte Haltung annimmst, erschließt dir die Asana den Kosmos. So hat jede Yoga-Stellung eine energetische Funktion. Die Asana „Baum“ ist zum Beispiel eine reine Gleichgewichtsübung und hilft dir gleichzeitig zur inneren Balance zu kommen. Und die Asana „Fisch“ öffnet deinen Brustkorb und dein Herz. Und löst so emotionale Spannungen und stärkt deinen Rücken!

Die Yoga-Asanas helfen, unseren Nahrungskörper gesund zu machen. Aber auch unseren Energiekörper. Denn die Lebensenergie, die energetische Information, soll durch deinen Körper ungehemmt fließen. Hier helfen dir Yoga-Haltungen, bestimmte Blockaden zu lösen: Denn Körperstellen, durch die die Energie nicht mehr fließt, werden krank. 

Können wir also durch Yoga unsere Selbstheilungskräfte aktivieren?

Ja, durchaus. Mit Yoga und den Asanas kannst du dem Körper signalisieren, wo er wieder etwas loslassen muss – an welcher Körperstelle er mehr Raum bekommt, damit die Energie wieder fließen kann. Zusammen mit der Lebensenergie fließen auch für unsere Gesundheit wichtige Informationen – wie die der Hormone und Nervenbahnen.

Warum bedient sich Yoga der Vorbilder aus der Natur und der Tierwelt?

Viele der bekannten Meditierenden haben sich in die Natur zurückgezogen, um wieder in ursprüngliche Denkmuster zurückzufallen. Was sie in der Natur gesehen und beobachtet haben, half ihnen, die eigene Natur, ihr eigenes Wesen zu erkennen. So haben sie die Natur im Yoga imitiert. Und versuchten, durch Yoga-Asanas und die Meditation in die Kraft der Tiere zu kommen. Nach dem Motto: Machen wir einen Tiger nach, werden wir so stark wie er.

Wie meditierst du?

Ich nutze oft die buddhistische Meditation – die Selbstbeobachtung. Dabei beobachte ich meinen Atem und meinen Körper: Welche Gefühle und Emotionen kommen hoch? Welche Gedanken tauchen auf? Diese lasse ich einfach vorbeiziehen, werte sie nicht. Wahrnehmen und loslassen: Nicht zu reagieren ist die Regel. Und es gibt keine Dogmen, die ich unbedingt einhalten muss. Ich lasse es einfach passieren.

Was empfiehlst du denjenigen, die Meditation lernen wollen?

Setze dich für drei Minuten hin – aber jeden Tag. Mache deine Augen zu. Atme und konzentriere dich darauf. Sei froh über jeden Gedanken, denke sie aber nicht weiter. Versuche deine Gedankenwellen nicht abzuschalten – lass sie fließen. So wirst du zum Beobachter, zum Zeugen deiner selbst.

Bleibe dran – für mindestens zwei Wochen. Und spüre dann in dich hinein: Geht es dir schon besser? Wenn du möchtest, kannst du nun die Zeit verlängern.

Um deinem Astralkörper ein Programm zu geben, ihn zu rhythmisieren, empfehle ich dir beim meditieren Lernen, mit je drei Minuten morgens und abends anzufangen. So kann er sich darauf einstellen. Und du wirst merken: Mit jedem Mal wird es leichter. Nach ca. einem halben Jahr ist Meditieren für dich zum Alltag geworden und gehört zum Leben dazu wie das Zähneputzen. Von nun an brauchst du keine Überwindung oder Motivation mehr.

Wie war dein bisheriger Weg zum Yoga-Lehrer? Was hat dich geprägt?

Zum Yoga selbst bin ich durch einen Bandscheibenvorfall gekommen. Und ich habe mich ab dem ersten Moment wohlgefühlt. Das war und ist Liebe. Es hatte keine Funktion, es war einfach. So scheinbar zufällig bin ich auch zum Yoga-Lehrer geworden: Auf einer Reise nach Indien habe ich statt eines Yoga-Kurses eine Yoga-Lehrerausbildung gebucht …

Du leitest deine Kurse intuitiv, ohne „großen“ Plan? Wie funktioniert das? 

Ich mache einfach das, was ich selbst brauche – ich bin in dem Moment einfach ich selbst. Dennoch versuche ich äußere und innere Einflüsse einzufangen und mit einzubauen: Gibt es aufwühlende Nachrichten da draußen? Wie ist das Wetter? Wie ist gerade die Energie im Raum? Der Rest passiert tatsächlich sehr intuitiv. Kein Plan – nur eine Vorstellung davon, welchen Fokus ich setzen möchte.

Du bist zudem Acro Yoga-Trainer und sogar Gründer des Bayerischen Akrobatik & Yoga Festivals: Kommst du da auch ohne Plan aus?

Im Acro Yoga ist es anders: Diese Yoga-Art ist viel komplexer, akrobatischer eben. Da brauche ich einen Plan. Denn das Acro Yoga baut auf dem gegenseitigen Vertrauen auf. Hier machst du Übungen immer zu zweit oder zu dritt. Gemeinschaft und Verbindung mit anderen Menschen – das ist Acro Yoga. Es geht nicht nur um mich und mein Ego, sondern darum, den Partner zu spüren. Und genau in dem Moment, wenn du mit ihm eine akrobatische Übung machst, erkennst du: Der andere ist dein Spiegelbild

Danke für das Interview, Michael! 

Chakrenmeditation

Meine Augen sind zu. Doch mein innerer Blick ist weit offen. Meine Seele findet sich in meinem Körper wieder, der in wenigen Minuten zu ihrem gemütlichen Zuhause – zu meinem vertrauten Heim wird. Wie ein Schmetterling lasse ich goldene Fäden von meinem Mula Bandha, dem Wurzelchakra, zum Anahata, dem Herzchakra aufsteigen. Ziehe die Goldseide durch mein Herz durch und lasse sie meinen Rücken hinabgleiten. So lange, bis meine Körpermitte von leuchtender Spitze umsponnen und durch sie geborgen ist. Hier finde ich meine innere Ruhe wieder, verweile im wärmenden Sonnenlicht des Goldes – bevor ich mit den Seidenfäden immer mehr von meinem Körper umwebe. Bis ich von einem Kokon umschlossen, umschmeichelt, ja umschlungen bin …


In dieser Wonne schließen wir die Yoga-Stunde mit der vom Michael geführten Chakren-Meditation ab. Wann immer ich aus meiner Balance hinausgleite, rufe ich in meinem Kopf dieses Kokon-Bild ab und in meinem Herzen das Gefühl auf, im goldenen Licht zu baden. Und komme wieder an: in meinem eigenen vertrauten Heim – in meiner Mitte. Alles ist gut.     

Innere Ruhe finden - dank Yoga und Meditation in der freien Natur.
Innere Ruhe finden und Energie tanken: Für mich geht das am besten in der Natur

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