Frühlingsputz für die Seele 2020: Es geht um alles

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ebenfalls in jedem von uns. Wie das Coronavirus uns in die eigene Finsternis stürzen lässt, damit wir endlich unser Leuchten entdecken.


 

Das Gesetz der Dualität: Dunkelheit und Licht, wie Pech und Schwefel

Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis.

Hiob, Kapitel 30, Vers 24-31

Zünde im Dunkeln eine Kerze an und beobachte: Die zarte Flamme erleuchtet den ganzen Raum. Würdest du dieses Licht auch dann wahrnehmen, wenn der Raum sonnendurchflutet wäre? Vielleicht würdest du die Flamme erkennen. Der Leuchteffekt wäre aber komplett weg. Ist das nicht ein einfacher Beweis dafür, dass Licht und Dunkel zwei Seiten einer Medaille sind – und die Existenz des jeweils anderen beweisen?

Ähnlich sieht es in unseren Seelen aus: Gefühle wie Liebe, Freude und Glückseligkeit verbreiten Licht; sie lassen uns erstrahlen. Für diejenigen, die die Aura der Menschen sehen können, sind wir in solchen Momenten von einem goldenen Leuchten umgeben. Doch es gibt auch den Schatten in jedem von uns – die unliebsame, unbeugsame, uns kleinhaltende Finsternis. Ganz egal, wie oft und wie intensiv wir sie verleugnen, kommt sie in Situation wie der Coronavirus-Krise 2020 zum Vorschein und hält uns fest in ihren Krallen. Ihr Name ist Angst.

Worum geht es hier eigentlich? Die etwas andere Sicht auf das Coronavirus

Warum passiert das jetzt? Warum trifft es gerade die ganze Welt und jeden im Einzelnen? Ich glaube, die Angst hat es satt, von uns ständig verschleiert zu werden – sie will endlich gesehen und gewürdigt werden. Dafür, dass sie es uns erst möglich macht, das Licht zu sehen. Freude zu empfinden. Glücklich zu sein. Daher führt uns der Weg durch den sogenannten Null-Punkt: den dunklen Tunnel, in dem wir gerade unseren schlimmsten Ängsten begegnen. Zwar wissen wir, dass es am Ende eines jeden Tunnels ein Licht gibt. Doch dieses vermögen wir noch nicht zu erkennen. Weil es im Moment auf den Weg ankommt, den wir wählen. Nicht auf das Ziel.

Entscheiden wir uns für das Licht – das symbolisch für die Seele und das sogenannte Erwachen steht? Oder für die Finsternis – die fromme Unwissenheit, den Egoismus und die Angst, eines Tages unsere Illusion einer scheinbar heilen Welt schmerzhaft zu verlieren?

Zeit, der Angst ein Gesicht zu geben – um ihr die Macht zu nehmen

Das Coronavirus lässt uns keine Wahl: Wir müssen uns unserer Angst stellen. Diese Angst ist dunkel und furchteinflößend. Aber nur, solange sie gesichtslos ist und uns blind und im Dunklen hält. Deshalb ist es jetzt für jeden von uns an der Zeit, über seinen eigenen Schatten zu springen – und der Angst ein Gesicht zu geben.

Was kommt in dir gerade hoch: welche Themen, welche Gedanken? Erkennst du vielleicht sogar schon die Themen hinter  dieser Angst? Dann bist du bereits auf dem richtigen Weg.

Was hinter jedem negativen Gefühl steckt, ist die Angst

Wagen wir diesen Schritt, erkennen wir bald: Angst hat sehr viele Gesichter. Und jedes davon ist ein Wegweiser, der uns auf eine unserer scheinbaren „Schwächen“ hinweist:

    • Angst vor Einsamkeit: Hast du Angst vor dir selbst? Unlust oder die Unfähigkeit, dich mit dir selbst zu beschäftigen?
    • Verlustangst: Wie steht es um dein Selbstwertgefühl?
    • Todesangst: Das Nichtwissen, was „danach“ kommt, macht dir zu schaffen. Ist der Tod das Ende deines Seins oder geht es danach weiter?
    • Existenzangst: Fehlt dir das Vertrauen ins Leben? Der Glaube, dass du beschützt und geleitet wirst?
    • Angst vor Versagen: Denkst du, du bist nie gut genug?
    • Angst vor Verantwortung: Glaubst du nicht an dich? Fühlst du dich macht- und kraftlos?
    • Angst vor Dunkelheit: Kontrollverlust lässt dich erstarren? Weißt du denn, wer du bist? Spürst du deine innere Mitte?

Du siehst ja: Angst ist die Mutter aller negativen Gefühle, die uns an die Grenzen der eigenen Finsternis führen. Aus Angst schreien, schimpfen, belügen, prügeln und töten Menschen Ihresgleichen. Doch Gewalt bringt Gewalt hervor. Sowie unterdrückte Angst eine noch größere Angst gebärt.

Dennoch gibt sie dir auch DIE Chance, etwas zu verändern. Dazu musst du jedoch deine Komfortzone, den gewohnten Pfad verlassen. Und die Belohnung ist kostbar: Schaust du der Angst ins Gesicht, entziehst du ihr die Macht über dein Leben! Ich weiß, wovon ich spreche …

Wie mein Albtraum durch das Coronavirus wahr wurde – und mich nicht mehr beängstigte

Jahrelang suchte mich derselbe Albtraum heim: Es bricht eine Art Welt-Katastrophe aus. Es marschieren „Fremde“ in den Ort hinein, an dem ich mich befinde. Panik, Verwirrung und Desorientierung brechen aus. Ich stehe da. Allein. Mitten in einer ansteckenden Massenhysterie. Ich habe nur eine Angst: Ich komme nicht mehr zu meiner Mutter, um in dieser grausamen Zeit bei ihr zu sein. Meine Mama ist weit weg, unerreichbar. Und ich bin verloren

Ich wache auf, gelähmt vor Angst, schweißgebadet. In dieser Starre verweile ich weitere Minuten, die mir wie Stunden vorkommen. Ich habe Angst, einzuschlafen – weil dieser Albtraum weitergehen könnte.

Angst, Angst, Angst …

Sie verfolgt mich noch Tage lang. Hand aufs Herz: Ich schleppe sie freiwillig wie einen grauen Schatten mit mir herum. Weil mir der Mut fehlt, dieser meiner Angst in ihre Fratze zu schauen. Stattdessen bediene ich mich der geliebten Vogel-Strauß-Politik und gehe den gewohnten Weg: Ich rufe an.

„Mama, ich bin’s. Geht’s dir gut? Alles klar bei dir?“

„Aber klar – warum fragst du?“

Die wahren Gründe will ich ihr nicht nennen. Denn ich habe Angst, sie zu beunruhigen. Letztendlich verstehe ich, dass diese Angst zu mir gehört. Sie fühlt sich absurderweise vertraut an, so dass ich Angst habe, sie zu verlieren. Also halte ich mich an ihr fest.

Angst, Angst, Angst …

Corona: Die Chance aufs Erwachen aus dem (Alb)Traum?

Nun kommt das Coronavirus. Und macht aus meinen Albtraum Realität: Eine Art Welt-Katastrophe bricht aus. Das vertraute Umfeld bricht zusammen. Wer sind die Bösen und wo sind die Guten? Panik und Massenhysterie machen sich breit. Und meine Mutter ist weit weg. Kein Flugzeug bringt mich hin: Ich bin in Deutschland, sie in meiner Heimat Russland. Zwischen uns sind Welten. Zwischen uns sind Berge aus Unsicherheiten, Meere aus Sorgen, Schluchten aus Ungewissheit. Und doch ist sie mir näher, als je zuvor …

Und ich habe keine Angst! Wie ist das möglich? Existierte diese Angst  nur in meinem Kopf?

Ich muss es hinterfragen – mein Verstand will es. Die Gründe für meine jahrelange Angst liegen auf der Hand: Als Baby, später als eine Dreijährige und noch später als junge Erwachsene war ich aus vielerlei Gründen von meiner Mutter getrennt. Diese Trennung hat mich gebrandmarkt. Sie hat meine Verlustangst geprägt, mir das Gefühl gegeben, ohne meiner Mutter einsam und hilflos zu sein. Dank dem Coronavirus weiß ich: Aus dieser alten Angst bin ich herausgewachsen. Nun ist Platz für eine Erneuerung da. Und für eine Zukunft ohne Angst.

Frühlingsputz: Wenn Altes wegfällt, kommt Neues auf

Das Leben, das hat Erneuerung in sich
Jede Veränderung geht mit dem Verlassen einer Komfortzone einher und erfordert Mut.

Wer jetzt die Zeit nutzt, um nicht nur die Wohnung, sondern auch die Seele zu entrümpeln, gewinnt doppelt: Er schafft Altes, Verbrauchtes ab – und schafft Freiraum für etwas Neues. Doch es ist anders als beim Schrank ausmisten: Hier können wir Klamotten, die wir nicht mehr mögen, einfach entsorgen – ob in die Altkleidersammlung, auf den Flohmarkt oder in den Müllcontainer.

Der Frühlingsputz für die Seele funktioniert anders: Alles Alte, was wir in uns tragen, können wir nicht wegwerfen. Denn das würde das Vergessen bedeuten – und was vergessen ist, kann wiederkommen. Deshalb müssen wir unser „altes Klump“ wie Ängste oder alte Verhaltensmuster sowie überholte Glaubenssätze neu sortieren, sie verarbeiten. Sehr lange haben sie unsere Erfahrungen geprägt, uns „geholfen“, in den gewohnten Systemen zu überleben.

Diese Systeme lässt das Coronavirus zusammenbrechen. Was kommt danach? Der Weg bestimmt das Ziel – und den wählt jeder von uns selbst aus.

Alte Zeiten, neue Zeiten

Immer mehr, immer höher, immer schneller … War unser altes System so gut für uns? Haben uns seine Zwänge nicht eher belastet, statt uns zu beflügeln? Ich-will-allen-gefallen-und-allen-alles-recht-machen. Ich-brauche-dies-und-jenes-um-glücklich-zu-sein. Auch ich habe diese Mottos für meine gehalten. Und sie haben mich kleingehalten: mir meine Flügel gestutzt, meine Seele gefangen. Nun frage ich mich:

    • Habe ich falsche Werte geschätzt?
    • Und richtige Schätze falsch gewertet?
    • Habe ich mein Leben nur für die Außenwelt – und an meiner Seele vorbei gelebt?

In dieser alten Welt musste ich mich immer wieder beweisen, mich präsentieren, mich anbieten. Und auch anbiedern:

    • Was denken andere von mir?
    • Mögen sie mich?
    • Wollen sie meine Gesellschaft?
    • Bin ich gut genug für die Welt?

Und das war einzig und allein DIE Angst: Angst davor, allein nichts wert und nicht überlebensfähig zu sein. Angst vor sozialer Isolation. Ist es nicht genau sie, die auch soziale Netzwerke ins Leben gerufen hat? Sie hätten uns helfen sollen, unsere Bedürfnisse nach Verbundenheit und Anerkennung zu stillen. Stattdessen haben sie uns immer weiter voneinander getrennt. Und unseren Ängsten einen neuen Nährboden gegeben, nun auch virtuell:

    • Was denken andere von mir?
    • Wollen sie meine Gesellschaft – meine Freundschaft oder Gefolgschaft?
    • Komme ich gut weg?

Falsche Fragen bedienten falsche Werte. Wichtige Fragen kamen zu kurz:  

Das Coronavirus räumt auf – und ruft uns, unsere Augen aufzumachen, um nach innen zu schauen. Statt „social networking“ herrscht „social distancing“. Und das ist auch gut so. Fürs Erste!

In sich gehen, um zum neuen Wir zu gelangen: Die nächsten Schritte

Wer ins Licht blicken will, darf sich vor Dunkelheit nicht fürchten. Wer etwas Neues aufbauen will, muss das Alte loslassen. Wer eine Veränderung will, sollte stets voller Zuversicht nach Vorne blicken.

Nichts ist mehr so, wie es war. Und nichts ist, wie es scheint. Wer das nicht spürt, ist für das Licht noch nicht bereit und hält sich an der Dunkelheit fest. Wer es spürt, schaut genauer hin und zwar auf:

    • alte, überholte Muster, die er von seiner Familie, ja seinen Ahnen geerbt hat;
    • wichtige Entscheidung, die er zu lange vor sich hergeschoben hat;
    • seine Ängste, die er erfolgreich verdrängt hat;
    • Selbstverleugnung, die er anderen zu Liebe betrieben hat;
    • die guten alten Schuldgefühle, die ihn zu hart geplagt haben – und das oft völlig unbegründet.

Und er richtet sein Leben neu aus – auf dem Weg in ein neues Bewusstsein:

    • Ich bin. Angetrieben von der Gemeinschafts-Angst kehre ich in mich selbst ein: In meinem Inneren gibt es einiges zu bereinigen oder zu entsorgen. So komme ich an meinen wahren Kern.
    • Ich fühle. Angetriggert von der Engstirnigkeit der gesellschaftlichen Zwänge erweitert sich mein Bewusstsein: Es gibt mehr, als das, was ich sehe, rieche, höre oder schmecke. Es gibt sie, meine Seele.
    • Ich kann. Bedroht vom Coronavirus aktiviere ich meine Selbstheilungskräfte: In mir ist die Weisheit der Weltenseele und das nötige intuitive Wissen bereits angelegt. Ich bin in der Lage, mir zu vertrauen.

Auch wenn die Angst noch viel Platz in unserer Gedanken- und Gefühlswelt einnimmt, macht sie auch einen Raum frei, in dem etwas Neues aufkeimen kann. Wenn unsere Blicke von innen wieder nach außen gehen, haben wir unseren Schatten besiegt und unser eigenes Licht entdeckt. Dann werden wir bereit sein für:

Einen neuen Zusammenhalt. Ein gemeinsames Bewusstsein. Ein freieres Miteinander. Ein lichtvolles WIR.

Schon sehr bald.