Ein Tagebuch voller erlebter Geschichten

Dies ist kein Märchen von schlafenden Dornröschen. Es ist eine reale Geschichte voller Magie: über 18 „erwachte“ Weiber, die sich zu einem Frauenkreis versammelten, um die verletzte Weiblichkeit zu heilen. Jede für sich und gemeinsam für die Welt.

Prolog: Was passiert bei einem Frauenkreis?

Die Frauenkreis-Erfahrung ist wie ein Spaziergang auf Rosenblättern.

Verbundenheit, Liebe, Nähe, Toleranz: Das, was ich in meinem ersten Frauenkreis erlebte, ist in der Welt „da draußen“ keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil, ich spürte oft ein Spannungsfeld zwischen den Frauen: „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ Darum war ich nie sonderlich bemüht, viele Freundinnen zu haben. Doch irgendwo tief in mir spürte ich die Sehnsucht nach der weiblichen Energie. Ich wollte sie kosten, sie ergründen – in sie eintauchen. Ich wollte sie in ihrer reinen Form erleben: frei von jeglicher Wertung und ohne Angst, verraten und enttäuscht zu werden.

Diese Sehnsucht führte mich in einen Frauenkreis, angeleitet von der wunderbar-weiblichen Renata Mierzejewska. Mit ihr sprach ich im Vorfeld darüber, welche Kräfte in einem Frauenkreis walten und wie sie es Frauen möglich machen, in Liebe und Zuneigung zusammenzukommen, heilende Nähe zu erleben, um Großes zu bewirken.

Liebe Renata, wie kam es zu einer Art „Konkurrenzfeld“ zwischen den Frauen?

Dieses „Phänomen“ entstand wohl aus der verletzten Weiblichkeit. Diese hat ihre Schattenseiten: Wir fühlen uns minderwertig und versuchen es zu kaschieren. Wir fühlen uns klein und versuchen uns groß zu machen. So bleiben wir in diesem globalen Feld von „nicht-genug-sein“ gefangen. Es hat also sehr viel mit dem Selbstwert als Frau, als Mensch zu tun.

Eine Tochter des Patriarchats kennt es, weil sie sehr stark in der männlichen Energie verwurzelt ist. Sie spürt sich selbst und ihre Weiblichkeit nicht und handelt deshalb wie ein Mann, lebt in dieser Energie: „ausgetrocknet“ und schlecht gelaunt.

Die gute Nachricht: Wenn wir uns in einem Frauenkreis verbunden und unsere Weiblichkeit geheilt haben, gibt es für so ein Konkurrenzfeld keinen Raum mehr. Noch mehr: Bleiben wir in Kontakt miteinander, können wir diese Art Konkurrenzfeld im positiven Sinne nutzen. Um beispielsweise noch mehr Feuerenergie und mehr Kraft aus uns herauszulocken. Das hilft uns, unsere weibliche Spiritualität zu nähren – und immer höher zu schwingen.

Was passiert, wenn sich Frauen in einem Frauenkreis begegnen?

Wir befreien die Kraft, die uns innewohnt.

Stell es dir so vor: Eine blockierte Energie ist die göttlich-weibliche Energie, nur in ihrer erstarrten Form. In der geschützten Atmosphäre, wie wir sie in einem Frauenkreis haben, kann sich diese „gefrorene“ Energie zu einer leuchtenden weiblichen Energie wandeln. In solchen Momenten der Geborgenheit übernimmt unsere Emotionalität die Führung. Da ist alles dabei: Freude, Glück, Tränen, Ekstase, Wildheit. Wir schreien und weinen – und kommen so in unsere weibliche Kraft, ja in das Herz der Weiblichkeit.

In einem heilenden Raum eines Frauenkreises überwinden wir zudem die Angst vor der Angst. Und wir befreien die Kraft, die in uns innewohnt. Früher oder später schafft es jede Frau im Kreis, die Magie ihres Schoßraums zu spüren. Dann potenziert sich diese weibliche Urkraft dermaßen, dass wir einen gemeinsamen heiligen Raum erschaffen.

In einem Frauenkreis ist so eine Erfahrung wie ein Spaziergang auf Rosenblättern.

Was ist deine Rolle bei einem Frauenkreis – welche Fähigkeit nutzt du dabei?

Zum einen sind es all meine Erfahrungen, auch die schmerzhaftesten davon, die ich nun weitergeben kann. Denn nur, was ich selbst erlebt habe, kann ich anderen schenken. Zum anderen habe ich durch ein Erwachungserlebnis mit einem Kahuna-Meister meine Fähigkeit zurückerlangt, den Raum der Heilung für andere zu öffnen – und ihn zu halten.

Was bedeutet „den Raum halten“?

Wenn ich in der Kraft meines Schoßraumes bin, entsteht mehr als eine wohlwollende Atmosphäre im Raum. Denn wenn eine Frau sich im Schoßraum entspannst, dockt sie an eine bestimmte Urkraft an. Und diese Urkraft ist so stark, dass du sie in der Luft schmecken, spüren und fast sehen kannst. Es ist ein wahnsinnig lebendiges Energiefeld. Wenn du es wahrnimmst, kannst du es mit nichts verwechseln oder es negieren. Es öffnet in dir bestimmte Mechanismen, sodass du dich fallen lassen kannst.

Wenn ich so einen Raum halte, wissen die Frauen, dass sie bei mir jeden Prozess durchleben können, von mir begleitet – egal, wie dramatisch sich das gestalten mag. Hier ist eine große Präsenz gefragt. Denn wir alle sind voller nicht-geweinter Tränen. Wir verdrängen viel Schmerz und unterdrücken unsere Emotionen. Bis es eines Tages so viele sind, dass wir uns nie trauen würden, diese alleine „anzuschauen“. Wir brauchen jemanden, der liebe- und verständnisvoll neben uns steht; jemanden, dem wir vertrauen, um sich fallen lassen zu können.

Genau dafür ist ein Frauenkreis da: ein Feld voller heilender Energie für unseren Körper, Geist und Seele. Ein Raum, in dem auch scheinbar Unmögliches möglich wird …

Geschichte vom Frauenkreis: Wie 18 Bäuerinnen das Feld der urweiblichen Liebe bestellten

Im spirituellen Frauenkreis heilen wir unsere verletzte Weiblichkeit.
Im spirituellen Frauenkreis heilen wir die verletzte Weiblichkeit: jede für sich und alle gemeinsam für die Welt.

Was ich euch heute erzählen möchte, ist kein Märchen. Oder vielleicht doch? Sind wir Frauen nicht alle mal ein Dornrösschen, das in ihrer Lethargie weder sich noch andere spürt? Mal eine verträumte Rapunzel, die auf ihren Befreier wartet, statt sich selbst aus der Gefangenschaft zu retten? Immer mal wieder sind wir ein Aschenputtel, das selbstvergessen schmutzige Töpfe putzt, statt die Hochzeitsspitze zu weben. Und von Zeit zu Zeit ist jede von uns eine Eiskönigin, deren Herz von einer eiskalten Schutzmauer umschlossen ist – bis die Frühlingssonne diese liebevoll zum Schmelzen bringt.

Ja, das alles sind wir – und noch viel mehr! Mütter und Töchter. Ehefrauen und Geliebte. Hebammen, Priesterinnen, Hüterinnen, Schöpferinnen und Lichtkriegerinnen. Aber vor allem sind wir fleißige Bäuerinnen, die der Welt die wertvollste „Nahrung“ schenken: Heilung durch unsere sanfte, mächtige, unbändig-zarte weibliche Urkraft. Und wir sind Weberinnen, die sich in ihrer Weiblichkeit miteinander verweben, um das goldene Netz der Liebe über die Mutter Erde zu spannen.

Was ich euch heute erzählen möchte, ist also eine Geschichte von 18 Bäuerinnen. Diese versammelten sich in einem Frauenkreis, um ein fruchtbares Feld zu bestellten. An nur fünf Tagen durchlebten Sie sich und andere in jeder erdenklichen Rolle: Sie säten den Samen der bedingungslosen Liebe in die heilige Erde und tränkten den Acker mit Flüssen aus Tränen. Sie hüteten die zarten Keimlinge der Weiblichkeit in ihren Herzen. Sie verbrannten wie Phoenix im reinigenden Feuer des Weltenschmerzes und verstreuten ihre Asche im Winde, um das Feld zu düngen. Und als die Ernte geschnitten war, rissen sie sich die Bauernkleider vom Leib, um die Göttinnen in sich zu entdecken, die ihre schöpferische weibliche Urkraft in die große, weite Welt tragen.

1. Tag im Frauenkreis: Den Boden auflockern, den Samen säen – von Pflügerin zur Säerin

Weibliche Spiritualität ist tanzen, beten, berühren und heilen.

Renata Mierzejewska

Der erste Tag des Frauenkreises ist ein Tag, an dem das zu bestellende Feld aufgelockert werden soll. Was werden wir säen? Was wollen wir ernten – jede für sich und alle gemeinsam für die Welt? An diesem Tag werde ich aus meiner Komfortzone gerissen. Freiwillig wohl gemerkt. Ich stelle mich der Angst, die mich hierhergelockt hat: der Angst, meinen Platz unter Menschen, ja unter Frauen nicht zu finden.

Das Seminarhaus im schwäbischen Oberrot empfängt mich mit lebendigem Trubel. Ich komme mir wie eine verirrte Ameise im benachbarten Ameisenhaufen vor. Oder soll ich eher sagen: Weiberhaufen ;-)? Die fremden Frauen lachen ausgelassen, tauschen sich laut aus, laufen mit ihren Koffern umher …

„Gehöre ich wirklich hierher?“

Am Nachmittag treffen wir uns in unserem Frauenkreis. „Zum Ankommen und sich Beschnuppern“, meint unsere grazile Seminarleiterin Renata. Ich schaue mich um – und merke, wie alte, gewohnte Muster anfangen zu greifen. Eine Schublade nach der anderen geht auf und zu. Ich schrumpfe innerlich zusammen und möchte am liebsten unsichtbar werden …

„Ich gehöre nicht hierher.“

„Stopp! Mach deine Augen zu und mach dein Drittes Auge auf. Schau dir diese Vielfalt, die Einzigartigkeit jeder Einzelnen an! Ohne zu werten!“, meldet sich eine leise Stimme tief in mir. „Das, was dir in diesem Raum entgegenstrahlt, ist multiplizierte Schönheit.“

In Sekundenschnelle schwinden alle Schubladen aus meinem Kopf. Ich schaue mir jede in unserem 18-köpfigen Frauenkreis mit einem wertungsfreien Blick an und spüre, wie sich mein Körper entspannt, weicher wird, lockerer. Meine Haltung ähnelt nicht mehr einem starren Felsen, viel mehr einem lebendigen Frühlingsbach. Es fängt an – das Fließen, das Fließen der Liebe

Wir fließen in unserem ersten Tanz zusammen, um noch weicher zu werden und die Verlegenheit der ersten Begegnung mit Fremden fallen zu lassen. Es folgen die ersten Geschichten, die ersten Berührungen. Wir kommen uns näher. Und wir entdecken viele Berührungspunkte, zeigen unsere Berührbarkeit, decken Gemeinsamkeiten auf. Eine davon ist die verletzte, verlorene, vergessene Weiblichkeit, die erweckt werden möchte. Damit wir voll und ganz in unsere Kraft kommen, um Dinge zu bewegen – jede für sich und für die Welt. Gemeinsam.

Jedes Mal, wenn ich einer Frau gegenüberstehe, sehe ich in einen Spiegel. „Ich sehe dich“, möchte ich aussprechen. Und doch traue ich mich nicht, damit „sichtbar“ zu werden. Ich halte mich zurück, möchte nichts überstürzen. Noch ein wenig erforschen, was da gerade in diesem magischen Frauenkreis passiert. Es fühlt sich nicht mehr so fremd an.

„Vielleicht gehöre ich doch hierher?“

Schon bald folgt die nächste Erkenntnis: Wir sind so einzigartig – und doch so komplementär in unserer Essenz! 17 großartige Säerinnen stehen vor mir. Der Samen fällt in den gelockerten Boden. Nun darf es aufkeimen. In jeder von uns und in der Welt außerhalb des Frauenkreises. Ich bin dankbar und würde am liebsten hinausschreien:

„Meine lieben Weiber, spüret: Wir sind eins! Wir sind verbunden!“

2. Tag im Frauenkreis: Keimlinge nähren – die Gießerin

Frausein heißt, den Schmerz der Welt in sich aufzunehmen und durch sich zu wandeln.

Renata Mierzejewska

Am zweiten Tag fühlt sich alles anders an. Ich fühle mich anders. Liegt es an der Nähe der Natur, hier, an diesem wunderbar-grünen Ort Oberrot mitten im Naturpark? An dem Spaziergang im Wald, der mich so still, so achtsam und durchlässig macht – mir selbst und anderen gegenüber? Vielleicht ist es das Feld, das wir gestern gemeinsam bestellt haben. Es keimt bereits – das, was so lang in den Tiefen unserer Seelen begraben lag.

„Wo seid ihr, die lauten Weiber von gestern?“

Heute bleibt die anfängliche Hektik des Vortags draußen vor der Tür. Ich nehme meinen Platz im Frauenkreis ein; meine Knie spüren das weiche Schafsfell. Ich spüre den Seminarraum: Er ist still. Und doch ist diese Stille voll von lebendiger Energie: Ich meine, unsere „Keimlinge“ wachsen zu hören. Mit jeder Zelle empfange ich das Feld, das sich heute zeigt – das wir alle hierher gebracht haben. Ein Feld voller Demut, Anmut, Traurigkeit, Beschaulichkeit – und Liebe. Auch die Urwunde in jeder von uns ist nun präsent und will Beachtung finden, erlöst werden.

Wir tauchen ab, tief in die Unterschicht unserer Emotionen. Viele davon haben wir verdrängt. Einige gehören uns nicht einmal: Sie stammen aus unseren Ahnenreihen, von unseren Müttern und Großmüttern, aus früheren Inkarnationen. Alles, was auftaucht, darf hier, in diesem geschützten Raum sein. So beginnt unser gemeinsamer Tauchgang mit einer gefilzten Hochzeitsschale, die wir – eine nach der anderen – an den Bauch anschmiegen: den Ort, wo wir unsere nicht gelebten Gefühle gefangen halten. Die Wärme der Filzschale weckt sie auf, lockt sie aus der Kühle der Gefängniszelle heraus, bringt sie zum Sprechen – ja zum Fließen.

Jede der Frauenkreis-Bäuerinnen darf ihre Geschichte in das fruchtbare Feld hineingießen: die Geschichte ihres Schmerzes, der nun heilen darf. Dafür reisen wir in einem Ritual in unsere Gebärmutter. Zwischen zwei Geschoßen liegend darf die eigene Energie zu fließen beginnen. Auch sind es die Tränen, die heute fließen; sie strömen aus jeder von uns heraus – wie Flüsse, die zu lange von schweren Staudämmen zurückgehalten wurden. Nun sind sie befreit und dürfen das Feld der Liebe und Hoffnung tränken.

In weiteren Ritualen und Übungen zeigen sich unsere Rollen für diesen Frauenkreis immer deutlicher. Es sind gestandene Frauen da, die gekommen sind, um anderen Frauen Halt zu geben – und darin ihre Weiblichkeit zu spüren. Es sind „zerbrechliche“ Frauen da, die auf der Suche nach sich selbst sind; sie sind gekommen, um ihre weibliche Mitte zu stärken. Es sind Heilerinnen und Hebammen unter uns, die da sind, um Wunden zu versorgen – mit einer Berührung, einem ins Herz gehenden Wort, einem liebevollen Blick. Es sind leise (und laute!) Rebellinnen anwesend, die zwar starke Energie versprühen, doch möchten auch sie ihre Sanftheit als Frau kosten.

Wir tanzen unseren Schmerz, den Urschmerz der Welt heil; umarmen ihn – umarmen uns. Jede von uns umarmt sich selbst, spürt die Selbstliebe fließen. Sie darf sein, so wie sie ist: verletzlich und verletzbar; stark und schwach. Denn so, wie sie ist, ist sie richtig. Am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Hier, in unserem Frauenkreis, der symbolisch für die ganze weibliche Welt steht.   

Auch wenn jede der Frauen so anders ist, erkenne ich in ihren Geschichten einen Teil meiner Geschichte; durch ihren Schmerz spüre ich meine eigenen Wunden, meine Narben. Ich bin dankbar, das zu erfahren, und schreie heraus:

„Ich fühle mich. Ich fühle dich. Ich fühle mit euch. Wir sind alle eins – wir sind verbunden.“

3. Tag im Frauenkreis: Sprösslinge pflegen und hegendie Hüterin

Die Angst verwandelt sich zu Mut, wenn wir durch sie gehen.

Renata Mierzejewska

Es riecht so wohltuend nach Kräutern und Weihrauch. Die Kerzen flackern; schüchtern begrüßen sie mit ihren kleinen Flammen das majestätische Licht der Morgensonne. Diese durchflutet die anmutige Stille unseres Frauenkreises und ermutigt die frischen pinken Lilien um uns herum zum Duften. Die sehnsuchtsvolle Melodie lädt jede der mutigen Bäuerinnen zum Niederlassen und Innehalten ein. Ich nehme meinen Platz im Kreis. Denn ich weiß:

„Ich gehöre hierher.“

Heute, am 3. Tag des magischen Fragenkreises, befreien wir unsere zarten Keimlinge von und beschützen diese vor „Schädlingen“ wie Angst oder Wut. „Ich nehme etwas Unruhiges, Dunkles im Feld wahr, was nach einer Erlösung schreit,“ unterbricht Renata die Stille. Nun sind Freiwillige gefragt, die dieses bedrohliche Etwas herauslösen möchten. Wir lauschen in uns hinein, als plötzlich ein Urschrei den Raum erfüllt, dem sich bald ein weiterer Seelenschrei gesellt. Unkontrolliert, unbändig – ein Schrei voller Weltenschmerzes, voller Frauenschmerzens.

An diesen Tagen werden Frauen in Afghanistan ins Mittelalter zurückgeworfen. So dürfen wir heute auch ihr dunkles Leid herausschreien, um lichtvolle Energien in die Welt zu schicken. Denn: „Eine erwachte Frau fühlt den Schmerz anderer Frauen und weint auch ihre Tränen,“ erklärt Renata. Langsam klärt sich das Feld unseres Frauenkreises, fühlt sich leichter, reiner und durchlässiger an. Nun darf es wieder gefüllt werden.

In unterschiedlichen Körperübungen und Ritualen durchreisen wir unseren Körper, verbinden ihn mit unseren Seelen. Wir verbinden uns außerhalb unserer Körper miteinander, in dem wir die Schutzmauern fallen lassen und uns verletzlich zeigen. Wir dürfen uns gegenseitig bewerten – und stellen fest, wie schwer es ist, die Schwestern zu kritisieren, wenn wir sie mit liebevollen, urteilsfreien Augen ansehen. Wir hören einander zu, um gehört zu werden; ehren die Narben der anderen, um die eigenen zu streicheln.

Es fließt sehr viel Heilung ins Feld, welches wir heute von Ängsten, Wut und Hass befreien wollen.

      • „Ich habe Angst vor meiner Kraft.“
      • „Ich habe Angst vor dieser Welt und den Geschehnissen.“
      • „Ich habe Angst vor der Nicht-Authentizität der Menschen.“
      • „Meine Angst ist, dass ich ‚zu klein‘ bin.“
      • „Ich habe Angst, dass ich nichts fühlen kann.“

Genau darum geht es in unserem Frauenkreis: ums Fühlen – von sich selbst und von anderen. Doch auch unsere Ängste wollen heute gefühlt und gesehen werden. In einem Ritual umarmen wir sie; wir gehen durch sie hindurch – „damit sich unsere Ängste zu Mut umwandeln können“, sagt Renata.

Der nächste mutige Schritt wartet bereits auf jede Hüterin: Heute dürfen wir in die verzerrte Visage der eigenen Wut blicken und diese den Schwestern zeigen. Es verlangt viel Mut ab – und es fällt schwer, bis in die tiefsten Tiefen des eigenen Selbst zu reisen, wo die Wut auf ihren Moment lauert. Wer es schafft, diese zu befreien und aus sich herauszuschreien, hat das Gefühl, vor anderen nackt zu stehen … Dagegen ist unser späteres gemeinsames nackt-baden-im-See ein Klacks – und das Natürlichste auf der Welt.

Den 3. Tag unseres Frauenkreises schließen wir am Lagerfeuer mit einem weiteren Befreiungs-Ritual ab. Gemeinsam singen und trommeln wir im Takt unserer Herzen, rücken immer näher zusammen und übergeben dem heilenden Feuer allen Schmerz und fremde Spuren, die unsere Gebärmütter über Jahre hindurch gespeichert haben.

„Wir kennen uns. Wir sind alle eins – wir sind verbunden.“

4. Tag im Frauenkreis: Das Feld abernten – von der Schnitterin zur Göttin

Wenn wir als Frau „gefüllt“ sind, fließen wir vor Liebe über.

Renata Mierzejewska

Am vorletzten Tag unseres magischen Frauenkreises erwecken wir die Rote Frau in uns. Die, die sich und andere fühlt; die kreativ, selbstbewusst, kraftvoll und verführerisch ist. Eine, die weiß, wofür sie steht und was sie der Welt schenken will. „Welche Medizin trägst du in dir? Welchen Raum hütest du?“, stellt Renata die Frage in die Runde. „Welche Göttin steckt in dir?“ Heute soll jede der 18 Bäuerinnen das herausfinden – für sich und zum Wohle anderer.

Um die Göttin in uns zu wecken, tragen wir rote Kleider, die den Raum mit Feuer befüllen. Anregend, aufregend – ja enthemmend, entfesselnd. Die Sonne verstärkt das Rot des Raums – und unsere Entschlossenheit, die reife Ernte liebevoll und achtsam zu schneiden. Unsere Erntehelferinnen sind heute präsenter denn je: indische Göttinnen wie Sarasvati, Lakshmi und Kali. Renata erzählt uns ihre Geschichten und lädt so die weiblichen Göttinnen dazu ein, uns zu helfen, an unsere wahre Essenz heranzukommen. Um das zu ernten, was wir auf unserem Feld der urweiblichen Liebe großgezogen haben.

Wir setzen die rote Energie in Bewegung, indem wir tanzen. Denn der Weg des Tanzes ist auch der Weg des Fühlens. Im Tanz verbinden wir uns mit unseren Gefühlen – und mit den weiblichen Archetypen in jeder von uns. Wir fließen, schwingen, rocken und fühlen uns durch das Rad der Weiblichkeit: von weißer Frau als Mädchen über die Rote Frau als wilde Kriegerin bis hin zur Goldenen Frau als weise Hexe.

„Fühlen können ist ein Segen. Und aus jedem gefühlten Schmerz und jeder gelebten Freude wird Medizin geboren. Darum machen Frauenkreise aus jeder Frau eine Heilerin. Denn indem ich mich heile, heile ich andere“, weiß Renata. „Wirken wir gemeinsam, heilen wir sogar diejenigen, die nicht im Frauenkreis tanzen!“

Darum tanzen wir – jede für sich und alle gemeinsam für die Welt. Wir tanzen im Schoßraum der Mutter Erde, um unseren eigenen Schoßraum immer mehr zu spüren, in ihm unsere Essenz freizulegen. Wir halten einander den Raum des Schutzes und der Liebe. Damit jede ihre Reise durch die Gefühle vollenden kann. Und mehr und mehr spüren wir, wie die fleißigen Bäuerinnen zu Göttinnen werden. Die einen leise, die anderen laut. Die einen liebe-, die anderen kraftvoll. Zart und dominant. Still und stürmisch. Wir fühlen, was uns ausmacht, welche Kraft in uns innewohnt – welch grenzenlose Liebe unsere Herzen bewohnt: die Liebe zu sich selbst und zu den anderen.

Am Ende des Tages leihe ich Richard David Precht gerne seinen Buchtitel:

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“

Denn dieser beschreibt am besten, was ich am heutigen Tag der Ernte fühle: Das ist Weiblichkeit. Sie ist die Vielfalt und die Verbundenheit innerhalb dieser Vielfalt. Sie ist jede von uns in einer. Immer anders und doch immer wiedererkennbar. Gedanklich flüstere ich meinen Schwestern zu:

„Jede von uns ist alle – wie jede eine Perle in einer wunderschönen Perlenkette ist, die kein Anfang und kein Ende hat. Denn wir sind alle eins – wir sind verbunden.“

5. Tag im Frauenkreis: Die Ernte in die Welt tragen – Schöpferin und Ernährerin

Heute übernachtete ein Schmetterling bei mir auf dem Zimmer namens „Schmetterling“. Abends wollte er nicht hinausfliegen, egal, wie ich mich bemühte, ihn zu „befreien“. Doch in der Früh flatterte er von selbst, leicht und unbeschwert, aus dem Fenster. Damit ließ er mich über den freien Willen nachdenken – er ist der Anfang eines jeden Anfangs – und darüber, dass sich jede von uns gerade mitten in einem Transformationsflug befindet. Was nehmen wir mit – und was werden wir aus unserer reichen Ernte „da draußen“ machen?

Die letzte Reise unseres Frauenkreises geht noch einmal tief hinein – in den Schoßraum, wo unsere spirituellen Kinder aufkeimen. Was will jede von uns noch gebären? Welches der neun spirituellen Kinder ist jetzt an der Reihe, das Licht der Welt zu erblicken? Um das zu spüren, gehen wir in einem „Tanz in den Urschrei“ in die Dunkelheit. Wir kosten ihre süße Bitterkeit, tauchen in ihren düsteren Abgrund und schweben wieder hervor ins Licht, wie ein Schmetterling. Wir lernen, 

      • dass Emotionen, Leidenschaft und Dankbarkeit unsere Gebärmutter über unser Herz besamen.
      • Tun wir das, was uns zum Leuchten bringt, sind wir fruchtbar wie Erde und heiß wie Feuer, bewegt wie Wasser und frei wie der Wind.
      • Erst wenn wir in Verbindung mit unserer Seele tätig sind, nährt es andere.
      • Und wenn an manchen Tagen die Göttin des Nebels unsere Sinne verschleiert, dann ist Zeit für die Stille – damit wir aus unserer Fülle wieder schöpfen können.

Nun hat jede von uns Schöpferinnen ihrer Vision in die Augen geblickt – und ist berührt und erleichtert. Denn es ist sehr viel da, was wir der Menschheit zu schenken haben: Unsere inneren Speicher sind voll von kostbaren Samen. Wir müssen nur wollen, diese zu säen.

      • „Ich werde selbst Frauenkreise machen!“
      • „Ich war mein Leben lang ein Adler, der in einem Käfig saß. Nun bin ich frei, fliege hoch – und werde andere Frauen dabei unterstützen, ihre Gefängnisse zu verlassen.“
      • „Ich werde Seminare geben, die den Eltern helfen, ihre Kinder intuitiv, leicht, voller Freude und Entwicklungspotenzial zu erziehen.“
      • „Ich werde ein Buch schreiben, in dem ein kleines blondes Mädchen im roten Kleid den Schlüssel zu ihrer Seele – um die darin innewohnende Magie der Welt zu schenken.“

Das letzte Mal sitzen wir in unserem heilenden Frauenkreis zusammen, sehen uns liebevoll an, fühlen in uns hinein: Was will zum Abschied gesagt werden? Kurz zeigt sich die Angst, dass uns der Alltagswahnsinn der Außenwelt verschlingt und wir die Ernte verlieren könnten. Den Weg, den ich klar vor mir sehe, teile ich gerne mit meinen Schwestern:

„Lasset uns anderen von unserer Frauenkreis-Erfahrung weitererzählen; lasset uns unsere spirituellen Kinder gebären und so den Samen der Liebe in andere Herzen säen. Jede für sich und alle gemeinsam für die Welt.“

Die 18 wundervollen Bäuerinnen, etwas erschöpft nach der getanen Arbeit, schließen sich in die Arme. Jede spürt nur noch einmal 34 zärtliche Hände an ihrem Körper, sieht in 34 liebevolle Augen hinein. Die Schwesternschaft, die hier geboren wurde, verleiht jeder von uns die Kraft, mutig und entschlossen ihren Weg zu gehen. Und jedes Mal, wenn wir uns brauchen, müssen wir uns nur gedanklich zurufen:

„Meine lieben Weiber, spüret: Wir sind miteinander vertraut. Und getraut! Wir sind alle eins – wir sind verbunden.“

Epilog: Was passiert nach einem Frauenkreis?

Ich wünschte mir eine Welt, in der sich jeder Mensch in der reinsten Essenz seiner lichtvollen Seele zeigen kann. Unser Frauenkreis beweist, dass diese Welt möglich ist.

Ich habe mich nie um viele Freundinnen bemüht – und habe 17 Schwestern gewonnen. Ich hatte Angst, meinen Platz unter Frauen nicht zu finden – und fand mich in ihnen wieder. Ich habe mich nur selten von meiner Intuition leiten lassen – und lernte, ihr zu vertrauen. Ich hatte mich oft von meinem Kopf steuern lassen – statt mich von meinen Gefühlen tragen zu lassen. Ich habe die Frau in mir im Zaum gehalten. Nun lasse ich sie fei ihren weiblichen Weg gehen: Möge er sich für jede von uns wie ein Spaziergang auf Rosenblättern anfühlen.

Diese Geschichte hat dein Herz erreicht und es berührt? Das berührt mich! Ein wertschätzendes Dankeschön gerne via PayPal an: https://www.paypal.me/soultales

Der Hochzeitskorb aus Filz weckte die Energie unseres Frauenkreises.

Im Frauenkreis: Mit dem Filz-Hochzeitkorb der Künstlerin Anu Völp begannen Energien und Tränen zu fließen …